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Titan(IV)-oxid in Zahnpasta

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Einführung

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Titan(IV)-oxid in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten – einfachheitshalber oft auch als Titandioxid bezeichnet – ist sehr aktuell (schau dir bitte das Video dazu an) und ein sehr interessantes Maturaarbeitsthema. Ich interessiere mich vor allem für den Einsatz in Zahnpasten und wie Titan(IV)-oxid darin nachgewiesen werden kann. 
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Gesundheitsgefahr? Titandioxid in Lebensmitteln (Hessischer Rundfunk)

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Verfasst von Lara Schweizer, 
betreut von Heidrun Schüssler, 
angefertigt an der Kantonsschule Reussbühl mit multimedialem Tuning von  Dr. Martin Novotny

Hier zur Maturaarbeit: Titan(IV)-oxid in Zahnpasta – ein Vergleich zweier Analysemethoden
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Titan(IV)-oxid, auch als Titandioxid oder kurz TiO₂ bezeichnet wird oft als preisgünstiges Weisspigment eingesetzt. Seit einigen Jahren in Lebensmittel verboten, kommt es in Zahnpasten noch zum Einsatz, auch in solchen für Kinder. Es gibt zwar eine Deklarationspflicht, aber Angaben zur Menge des eingesetzten TiO₂ suchen wir auf den Zahnpastatuben vergeblich. Darum versuche ich in meiner Arbeit herauszufinden, wie viel TiO₂ in handelsüblichen Zahnpasten steckt und ob Produkte, die keine Angaben dazu machen, wirklich frei von TiO₂ sind.

Die erste von mir eingesetzte Methode ist die Photometrie. Das wasserunlösliche und weisse TiO₂ muss ich zuerst mit Kaliumhydrogensufat chemisch aufschliessen und wasserlöslich machen. Die anschliessende Zugabe von Wasserstoffperoxid bildet einen gelborangen Peroxokomplex, dessen Farbintensität mit dem ursprünglichen TiO₂-Gehalt korreliert. Ich kann mit Proben bekannter TiO₂-Gehalte eine Kalibriergerade erstellen und damit über den Extinktionswert einer unbekannten Probe den TiO₂-Gehalt errechnen.

Viel einfacher geht die Bestimmung mit der zweiten von mir gewählten Methode, der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA). Ohne die Notwendigkeit der Probenvorbereitung erhalte ich auf Knopfdruck innerhalb von 60 Sekunden den Titangehalt der Probe. Wegen einer aus Zeitgründen nicht durchführbaren Kalibrierung auf meine Probenzusammensetzung sind die quantitativen Werte allerdings fragwürdig und durchgehend höher als jene aus meiner photometrischen Bestimmungsmethode. Qualitativ gibt es allerdings eine sehr gute Übereinstimmung. TiO₂ ist tatsächlich nur in Zahnpasten enthalten, auf deren Packung es auch deklariert ist.

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Seit dem 15. September 2022 ist Titan(IV)-oxid in der Schweiz als Zusatzstoff in Lebensmitteln verboten. Ob in Marshmallows, Bonbons, Schokoladen oder Mozzarella, – der Weissmacher fand sich bis vor kurzem noch in verschiedensten Nahrungsmitteln. Dort sorgte er für ein knackigeres, glänzenderes und frischeres Aussehen. 
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Messungen

Die Frage, ob und wie viel Titan(IV)-oxid eine Zahnpasta enthält, ist das Thema meiner Maturaarbeit. Eine erste Messmethode dafür habe ich schnell gefunden. Mit der UV/VIS-Spektroskopie konnte ich mithilfe des Extinktionswertes (Mass für die Abschwächung einer Strahlung nach Durchqueren eines Mediums) einer unbekannten Lösung den lichtabsorbierenden Stoff quantitativ (der Menge nach) bestimmen. Dabei dienen mir Referenzlösungen als Vergleich. Schliesslich kam mir bei einem Workshop des Projekts Berzelius der Pädagogischen Hochsschule St. Gallen (PHSG) die Idee für die zweite Analysenmethode mit einem Röntgenfluoreszenzspektrometer.
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Meine Auswahl an Zahnpasten seht ihr im Hintergrund. Das ist ein Querschnitt der bei uns verwendeten Produkte. Die Zahnpasten sind von sieben verschiedenen Herstellern. Teilweise ist Titan(IV)-oxid auch mit dem Colour Index CI 77891 als Inhaltsstoff deklariert. E 171 wird vermutlich des schlechten Images der E-Nummern wegen, weniger verwendet.

Ob diese Angaben tatsächlich stimmen und wie viel Titan(IV)-oxid die einzelnen Pasten enthalten, gilt es nun zu ermitteln. 

Wenn dich der Text stört und du das Foto genauer betrachten möchtest, gehe einfach rechts oben auf das Menüsymbol und dann auf «Text ausblenden» gleich über dem Lautstärkeregler.
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Titan(IV)-oxid ist nicht wasserlöslich.

Damit ich Titanionen photometrisch nachweisen kann, muss ich Titan(IV)-oxid zuerst aufschliessen. Mit Hilfe eines Aufschlussmittels führe ich es also zuerst in eine wasserlösliche Verbindung über. 

Bei Titan(IV)-oxid (TiO₂) in fester Form (s für solid) übernimmt Kaliumhydrogensulfat (KHSO₄) die Rolle des Aufschlussmittels (aq bedeutet in der folgenden Reaktionsgleichung: in wässriger Lösung): 

TiO₂ (s) + 2 KHSO₄ (s) → TiO(SO)₄ (aq) + K₂SO₄ (aq) + H₂O

Nachdem alles Wasser durch Wärmezufuhr verdampft ist, liegen die beiden Komponenten TiO(SO)₄ und K₂SO₄ als fester und wasserlöslicher Schmelzkuchen vor. 

In einem zweiten Schritt gebe ich Wasserstoffperoxidlösung (H₂O₂) zu. Titanionen bilden mit Wasserstoffperoxidlösung einen Peroxokomplex, der gelborange gefärbt ist.

TiO(SO)₄ (aq) + H₂O₂ (aq) → [Ti(O₂)]² ⁺ (aq) + SO₄² ⁻ (aq) + H₂O (l)

Diese gelborange Färbung bildet sich nur bei Anwesenheit von Titan(IV)-Ionen:  Je dunkler sich der Aufschluss einer Zahnpasta verfärbte, umso mehr Titan(IV)-oxid enthält dieser.
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Die Extinktionswerte der photometrischen Messungen der aufgeschlossenen Zahnpasten sagen aber noch nichts über die absoluten Mengen an Titan(IV)-oxid in den Zahnpasten aus. Die Färbung verrät vorerst nur, ob TiO₂ enthalten ist oder nicht. Zusätzlich können die Proben relativ nach ihren Titan(IV)-oxid-Gehalten geordnet werden. Je dunkler die Färbung, desto grösser der Extinktionswert und damit der Titan(IV)-oxid-Gehalt der Zahnpasta.

Was ich nun brauche ist eine Stammlösung mit der ich eine Verdünnungsreihe mit verschiedenen und bekannten Titan(IV)-oxid Konzentrationen herstellen kann. Damit kann ich eine Kalibriergerade errechnen mit der sich die Extinktionswerte in Titan(IV)-oxidgehalte umrechnen lassen. 

In meiner originalen Maturaarbeit habe ich diese Kalibriergerade fälschlicherweise als Eichgerade bezeichnet. Eichen darf natürlich nur eine Behörde wie das Eichamt. Kalibrieren darf aber jeder und sollte auch jeder vor einer Messung machen. Wer mehr über Messgenauigkeit, Messfehler oder eben übers Kalibrieren erfahren möchte, der begebe sich auf eine erhellende Reise durch folgendes Berzelius-Laborjournal:
RÖNTGENFLUORESZENZSPEKTROSKOPIE und die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen
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Zur Herstellung der Stammlösung mische ich 0.1 g Titan(IV)-oxid mit 0.9 g Kaliumhydrogensulfat in einem Porzellantiegel und erhitze diesen über einer Bunsenbrennerflamme bis eine klare Schmelze entsteht und weisser SO₃-Rauch aufsteigt.

Nach Abkühlen dieser Schmelze gebe ich 5 ml einer 2 molaren Schwefelsäure (H₂SO₄) zu und koche das Ganze nochmals über der Bunsenbrennerflamme kurz (die flüchtigen Stoffe verdampfen sehr schnell) auf. Damit sollte die Reaktion (TiO₂ + 2 KHSO₄ → TiO(SO)₄ + K₂SO₄ + H₂O) vollständig ablaufen.

Den entstandene Schmelzkuchen kratze ich aus dem Tiegel, löse diesen in 40 ml destilliertem Wasser in einem Becherglas und filtere die Lösung ab. TiO(SO)₄  löst sich sehr gut und sehr schnell in Wasser. Die übrigen Stoffe wie K₂SO₄ lösen sich  weniger gut und bleiben fast vollständig im Filter zurück. Vermutlich bleibt auch ein wenig  gelöstes TiO(SO)₄ im Filterpapier, ich gehe aber davon aus, dass die Menge vernachlässigbar klein ist. Die erhaltene klare Lösung verdünne ich mit destilliertem Wasser auf 50 ml – fertig ist meine Stammlösung mit 0.1 g bzw. 100 mg Titan(IV)-oxid der Ausgangsprobe in 50 ml Lösung.
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Im nächsten Schritt stelle ich verschiedene Verdünnungen mit 50 mg, 20 mg, 10 mg, 5 mg und 1 mg Titan(IV)-oxid (der Ausgangsprobe) je 50 ml her. Ich entnehme dazu von der Stammlösung die in der Tabelle angegebenen Mengen und fülle diese auf 10 ml mit destilliertem Wasser auf.

Da die Titan(IV)-oxid Mengen in den untersuchten Zahnpasten geringer als erwartet sind, muss ich später noch zusätzlich Lösungen mit 7.5 mg und 2.5 mg TiO₂ (der Ausgangsprobe) in 50 ml herstellen.

Die je 10 ml farblosen Referenzlösungen versetze ich mit einem ml einer 33 %igen Wasserstoffperoxidlösung. Dadurch entsteht der oben erwähnte Peroxokomplex und die TiO₂-konzentrationsabhängige Einfärbung.
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Verdünnung

1 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.1 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

 5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.5% TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

 2.5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.25 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

 7.5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.75 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

10 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 1.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

 20 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 2.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Verdünnung

 50 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 5.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

Stammlösung

100 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 10 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)

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Von der Verdünnungsreihe bestimme ich mit dem Photometer die Extinktionswerte bei einer Wellenlänge von 400 nm. Dieses als violett wahrgenommene Licht, an der unteren Grenze des sichtbaren Bereiches, wird am stärksten von den Proben absorbiert. Oranges Licht liegt im Wellenlängenbereich von 575 bis 595 nm und wird nicht von diesen orangen Lösungen absorbiert. Darum erscheinen die Proben orange, weil Licht dieser Wellenlänge durchgelassen (transmittiert) wird und so auf unsere Netzhaut treffen kann.

Das Diagramm im Hintergrund zeigt die gemessenen Extinktionswerte als Funktion des TiO₂-Gehaltes im relevanten Bereich bis 10 mg TiO₂ in 100 mg Ausgangsprobe. Das ist meine Referenz- oder Kalibriergerade mit der ich die TiO₂-Gehalte unbekannter Proben bestimmen kann. Mit der eingezeichneten Geraden bzw. der Geradengleichung kann ich aus dem Extinktionswert einer unbekannten Probe den TiO₂-Gehalt ablesen bzw. berechnen. Wie ich diese Gerade errechnet habe, erfährst du auf der nächsten Seite.

Physikalisch gesehen ist diese Gerade nicht ganz korrekt, denn sie müsste durch den Nullpunkt gehen. Kein Titandioxid, keine Verfärbung. Ausser die zugesetzte Wasserstoffperoxidlösung würde das Licht absorbieren, was ich leider nicht gemessen habe. Laut meiner Kurve müsste die Wasserstoffperoxidlösung aber Licht abstrahlen, der Extinktionswert ist bei Konzentration null negativ (-0.098) und das ist sehr fragwürdig. Entweder sind meine Messergebnisse zu ungenau oder die Kurve ist keine Gerade und flacht gegen null hin ab.

So ist das in der Wissenschaft und ganz speziell bei Maturaarbeiten. Es werden und dürfen Fehler gemacht werden. Eine kritische Wissenschaftlerin steht dazu und korrigiert sich! Das ist es, was Wissenschaften auszeichnet und von vielen anderen Vorgehensweisen unterscheidet: Wissenschaftlerinnen werden aus Fehlern klüger!

Nun aber zurück zu dieser Referenzgeraden. Wie berechnet man die und welches Konzept liegt ihr zugrunde?
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Alle Messwerte sind fehlerbehaftet. Das liegt in der Natur des Messens. Darum verläuft eine Kurve, die eine gemessene Abhängigkeit beschreibt, nicht exakt durch alle diese Messpunkte. Beim Verfahren der linearen Regression wird ein linearer Zusammenhang vorausgesetzt, was grafisch einer Geraden entspricht. Die Regressionsgerade ist jene, bei der die Summe der Fehlerquadrate ein Minimum ist. Der Fehler ist der Normalabstand der Messpunkte zur Geraden. Quadrieren macht alle Fehler positiv und grössere Fehler werden stärker gewichtet. 

Gar nicht so komplizierte Mathematik, die euch in einem naturwissenschaftlichen Studium beigebracht werden würde oder hier anschaulich erklärt wird. Excel hat die Berechnung automatisiert und wie das funktioniert erfährst du in diesem Video:
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Der schnellste Weg, eine einfache lineare Regression in Excel zu rechnen

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Für den Aufschluss der Zahnpasten gilt das gleiche Prozedere wie bei der Herstellung der Stammlösung: Ich mische je 1 g Zahnpasta mit 9 g Kaliumhydrogensulfat. Auch das weitere Vorgehen ist identisch wie das bei der Herstellung der Stammlösung

10 ml der so erhaltenen klaren Lösungen versetze ich wieder mit je einem ml der 33 %-igen Wasserstoffperoxidlösung, um die gelborange Farbe des Peroxokomplexes zu erhalten. Die Farbe dieser Lösung verrät mir den Titandioxidgehalt der jeweils getesteten Zahnpasta.
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Diese aufgeschlossenen und eingefärbten Zahnpasten fülle ich in Küvetten und messe mit dem Photometer ihre Extinktionswerte, in dem bereits bei der Verdünnungsreihe selektierten Wellenlänge von 400 nm.

Mit Hilfe der Referenz- oder Kalibriergerade kann ich die jeweiligen Titan(IV)-oxidgehalte berechnen. Dazu muss ich die mathematische Beschreibung der Kalibriergeraden nach x, dem unbekannten TiO₂-Gehalt, auflösen. x wird so als Funktion des gemessenen einheitenlose Extinktionswerts ausgedrückt.

x = (E + 0.098) / 0.158

x ist die unbekannte Menge an TiO₂ in den Zahnpasta-Kaliumhydrogensulfat-Gemischen. Auf die Einheiten der beiden Konstanten der Geradengleichung habe ich der Einfachheit halber verzichtet.

Anmerkung: Nachdem ich anfänglich je 1 g (1000 mg) Zahnpasta mit 9 g Kaliumhydrogensulfat vermengt habe sind x/10 die Massenprozent (m-%) an TiO₂ in der Zahnpasta. Erhältst du beispielsweise für x = 0.1 mg sind das 0.1 mg / 1000 mg = 0.01 % TiO₂ in der Zahnpasta.
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Kids Bubble Gum (Dentamed)
E = 1.134  => x = 7.797 mg bzw. 0.7797 m-% TiO₂

Zahnfleischschutz & frischer Atem
White Optic
Kids Bubble Gum (Candida)
Junior
 E = 0.00  => x = 0.00 mg bzw.0 m-% TiO₂

Micro Granuli
E = 0.144  => x = 1.532 mg bzw. 0.1532 m-% TiO₂

White Diamond
E = 0.461 => x = 3.538 mg bzw. 0.3538 m-% TiO₂

Opti-schmelz
 E = 1.642  => x = 11.013 mg bzw. 1.1013 m-% TiO₂

Multicare 7 in 1
 E = 0.191  => x = 1.829 mg bzw. 0.1829 m-% TiO₂

Total
 E = 0.019  => x = 0.741 mg bzw. 0.0741 m-% TiO₂
(sehr kleine Menge evtl, vernachlässigbar, da im Bereich des Messfehlers)

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Meine zweite Methode zur Bestimmung des Titandioxid- bzw. Titangehaltes ist die RFA. Im Gegensatz zum nasschemischen Aufschluss mit anschliessender Photometrie ist dieses Gerät eine "Black Box". Eine Kalibrierung für meinen spezifischen Anwendungsfall ist nicht möglich.

Es braucht für dies Untersuchungsmethode aber keine Probenvorbereitung. Die Ergebnisse erscheinen auf Knopfdruck und eine Messung dauert gerade einmal 60 Sekunden. Der Countdown läuft im Hintergrund.
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Das RFA-Gerät des Berzelius-Projekts der PHSG ist schnell aufgebaut und einsatzbereit. Für die Messungen verschiedenartiger Proben stehen allgemeine Modi wie Metalllegierungen, Kunststoffe oder Bodenproben zur Verfügung. Natürlich gibt es keinen Titandioxid-in-Zahnpasta-Modus. Darum entscheide ich mich nach etlichen Vorversuchen für den Modus Bodenproben.

Eine RFA kann theoretisch ab Ordnungszahl 11 (Natrium) qualitativ und quantitativ Probeninhalte bestimmen. Dieses verwendete, relativ einfache Handgerät misst aber erst ab höheren Ordnungszahlen. Titan mit Ordnungszahl 22 misst es zuverlässig. In einer organischen Probe gibt es viele Elemente, die mit der RFA nicht detektiert werden können (H, C, O, N) und es muss daher auf den spezifischen Probentyp kalibriert werden, was in Form der Modi hinterlegt ist. Eine eigene Kalibrierung des Gerätes auf meine Bedürfnisse ist nicht ohne weiters möglich und so muss ich mit den Ergebnissen im Modus Bodenproben vorlieb nehmen.

Etwa ein Zentimeter lange Zahnpastaproben drücke ich auf ein Filterpapier und vermesse sie anschliessend. Die detektierten Elemente der Probe gibt das Gerät in ppm (parts per million) aus.
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Nur das Element Titan des TiO₂-Moleküls kann also mit der RFA detektiert werden, der Sauerstoff nicht. Um die Ergebnisse aus den photometrischen Untersuchungen mit jenen der RFA vergleichen zu können, muss ich die atomare Masse vom Sauerstoff zu den RFA-Messwerten addieren. Denn schliesslich habe ich für meine Stammlösung 0.1 g TiO₂ und nicht 0.1 g Ti verwendet.

Unter der Annahme, dass Titan nur als Titan(IV)-oxid in den Zahnpasten enthalten ist und nicht in anderen möglichen Verbindungen, gehe ich wie folgt vor:
 
1 g Ti⁴⁺ (bzw. Ti) ≙ 47.87 g/mol
1 g TiO₂ = (47.87 + 2 × 15.999) g/mol ≙ 79.87 g/mol

Ti⁴⁺ macht in TiO₂ also einen Massenanteil von rund 60 % aus (47.87 g/mol / 79.87 g/mol = 0.599). Die mit der RFA gemessene Menge an Ti muss ich also durch 0.6 dividieren, um den Gehalt an TiO₂ in den Zahnpasten abzuschätzen. 1 ppm Ti entspricht 0.0001% Ti (1 / 1'000'000 ⋅ 100). Bei dieser Berechnung setze ich voraus, dass die Angabe ppm ,wie üblich, auch bei diesem RFA-Gerät den Massenanteil und nicht die Teilchenanzahl (mol-%) angibt.
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Die Messungen sind gemacht und die Resultate müssen analysiert und interpretiert werden. Im folgenden eine tabellarische Gegenüberstellung der Ergebnisse beider Messmethoden.
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In den Zahnpasten Kids Bubble Gum (von Dentamed), White Optic (von Candida), Micro Granuli (von Signal), White Diamond (von Candida), Opti-schmelz (von Elmex) und Muticare 7 in 1 (von Candida) kann ich sowohl mit der Photometrie als auch mit der RFA Titan(IV)-oxid nachweisen. Das sind genau jene Zahnpasten, die Titan(IV)-oxid auch als Inhaltsstoff deklarierten. 

Einzig bei Total Original (von Colgate) werden mit der Photometrie geringe Mengen an Titandioxid nachgewiesen, obwohl davon nichts auf der Liste der Inhaltststoffe vermerkt ist. Mit der RFA-Messung kann ich aber kein Titan nachweisen. Der photometrisch gemessene Extinktionswert dieser Zahnpastaprobe ist sehr klein, sodass ich von einem Messfehler ausgehen muss  (z. B. durch eine Verunreinigung).

Abgesehen davon zeigen sich beide Messmethoden gut geeignet, um Titandioxid in Zahnpasten qualitativ nachzuweisen. 

Nun zur quantitativen Analyse meiner Messergebnisse. Die Resultate aus Photometrie und RFA weichen manchmal deutlich voneinander ab – um bis zu mehr als das doppelte. Das liegt unter anderem an den kleinen Mengen gepaart mit der Messungenauigkeit. Zahncremes enthalten laut Hersteller üblicherweise maximal ein Prozent Titandioxid.

Die RFA-Methode misst bei allen Zahnpasten (mit Ausnahme bei Micro Granuli von Signal) einen höheren Titandioxidgehalt, als mit der Photometrie. Trotzdem ist die Tendenz, ob also mehr oder weniger enthalten ist, der beiden Messmethoden ähnlich. Ich vermute, dass die RFA-Messungen im Modus Bodenproben nicht optimal für meinen Anwendungsfall sind. Eine Kalibrierung der RFA mit Referenzzahnpasten würde vermutlich genauere Ergebnisse liefern. Trotz allem liefert die RFA Ergebnisse auf ein ppm genau an, was völliger Unsinn ist. Im Berzelius-Laborjournal der Röntgenfluoreszenzspektroskopie wird eine aufschlussreiche Geschichte über Mess(un)genauigkeit und signifikanten Stellen von Messen- und Rechenergebnissen erzählt.

Die Hersteller geben die eingesetzte Menge an Titandioxid leider durchgehend nicht an. Aus diesem Grund möchte ich hier auf den hohen Titandioxidgehalt der Kids Bubble Gum (von Dentamed), ein Produkt für Kinder, hinweisen. Es hat den zweithöchst gemessenen Titandioxidgehalt. Kinder schlucken gerne die Zahnpasta, manchmal auch unbenutzt von der Tube in den Rachen, des guten Geschmackes wegen. Titandioxid wurde wie anfangs erwähnt wegen gesundheitlicher Risiken in Lebensmittel bereits verboten.

Du möchtest die Ergebnisse nochmals in aller Ruhe betrachten? Gehe rechts oben ins Menü, dort kannst du den darüber liegenden Text ausblenden.
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Kalibrierung und Probenvorbereitung bei der Photometrie sind aufwendig, fehleranfällig und zeitintensiv. Bei der RFA entfallen diese Schritte gänzlich. Ein wenig Zahnpasta wird lediglich über das Messfenster auf einem Filterpapier platziert. Ich brauche keine Chemikalien, muss nichts erhitzen, nichts chemisch umzuwandeln, nichts lösen und nichts einfärben.

Aber die RFA kann nicht ohne weiteres auf diesen Anwendungsfall kalibriert werden. Das funktioniert bei der Photometrie hervorragend. Darum werden die quantitativen Messwerte aus den photometrischen Versuchen aussagekräftiger sein als die der RFA. Ich habe durch Umwandeln, Lösen und Einfärben von TiO₂ einen Weg gefunden, den TiO₂-Gehalt sichtbar und damit messbar zu machen.
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So wie es viele Wege nach Rom gibt und so wie man eine mathematische Aufgabe auf vielerlei Weise lösen kann, existieren in der Analytischen Chemie, wie in dieser Maturaarbeit thematisiert, auch mehrere Methoden bzw. Hightech-Instrumente für die Bestimmung von Analyten. Methodenvergleiche sind in der Analytik sehr wichtig, um die Präzision und Richtigkeit, also die Verlässlichkeit der Ergebnisse einzuschätzen. Die Kunst liegt in der Erarbeitung der Methode, die meist auch zeitintensiv ist. Das Messen selbst geht in der Regel schneller und leichter von der Hand.

Die perfekte Methode gibt es selten. Je nach zu analysierender Titanverbindung, Art und Menge der Proben (Probenmatrix) und zu erwartenden Probenkonzentrationen sind die für die Fragestellung geeigneten Hightech-Geräte auszuwählen. Hier hilft die Recherche, denn viele Methoden sind bereits bis ins Detail ausgearbeitet und in wissenschaftlichen Publikationen  detailliert beschrieben. Sind die Fragestellungen komplexer, müssen die Methoden meist modifiziert oder komplett neu entwickelt werden. 

Für die Bestimmung von Titandioxid in Zahnpasta oder anderen Matrices gilt: Es gibt leistungsstärkere RFAs als das hier eingesetzte Berzelius-Gerät, die zuverlässig bis in den unteren ppm-Bereich messen. Auch könnten wir die RFA-Methode auf dem eingesetzten Berzelius-Gerät sicherlich noch verbessern, z. B. durch umfangreicheres Testen und Validieren der auf dem Gerät vorgegebenen Messmodi. Bei der photometrischen Bestimmung hätten wir anders als in dieser Arbeit eine Kalibriergerade auf Basis von titanfreier Zahnpasta als Trägermaterial erstellen und mit bekannten Mengen Titandioxid versetzen können. Das wäre eine realistischere Kalibrierung, weil sie der Zahnpastamatrix der Proben besser entspräche. Auch hätten wir die Zahnpastaproben mit der im Lieferumfang des Berzelius-RFA-Geräts vorhandenen Probenpresse zu Presslingen komprimieren können, wie dies bei der RFA-Analyse von Bodenproben aus Gründen der Homogenität empfohlen wird. Das sind nur einige Ideen und Varianten, die sich für die Methodenentwicklung dieser Arbeit anbieten. Wie meinte der deutsche Wissenschaftler und Dichter Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) so treffend?: «So eine Arbeit ist nie fertig, Man muss sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.» Wie wahr!

Nicht zuletzt bietet das Berzelius-Projekt noch einige andere Hightech-Instrumente zum Bestimmen von Titandioxid.
  • Titration von Titan mit Kaliumdichromat und einer Platin-Elektrode mit unserem automatischen Titrino. Vor der Bestimmung muss Titandioxid, wie bereits in dieser Maturaarbeit beschrieben in Lösung gebracht werden, wie z. B. durch Reduktion von Ti⁴⁺ zu Ti³⁺.
  • UV/VIS-spektrometrische Bestimmung mit dem UV/VIS-Detektor, den wir bei der HPLC einsetzen
  • Raman-spektroskopische Untersuchung von Titan in Kristallen
  • Voltammetrischer Nachweis mit dem Galvanostaten/Potentiostaten nach vorherigem Aufschluss mit Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid


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Autoren dieser multimedialen Präsentation: Lara Schweizer und Dr. Martin Novotny

Originalarbeit:  Titan(IV)-oxid in Zahnpasta 
Lara Schweizer unter der Betreuung von Heidrun Schüssler, Kantonsschule Reussbühl, SJ 2022-2023

Editor-in-Chief und Projektleiter: Dr. Alfred Steinbach

Berzelius-Editorial-Team in alphabetischer Reihenfolge:
Dr. Adrian Brugger, Dr. Claudia Buser Moser, Marianne Leuenberger, Dr. Martin Novotny, Dr. Alfred Steinbach, Dominik Tschirky, Patrick Massen (Medienwerkstatt.PHSG). 
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Es gibt viel Verwirrung, was den Unterschied zwischen der UV/VIS-Spektroskopie und der Photometrie angeht. Die UV/VIS-Spektroskopie misst die Lichtabsorption der Probe über den gesamten ultravioletten (UV) und sichtbaren (VIS für visuell) Wellenlängenbereich. Bei Bestrahlung einer Probe werden in deren Moleküle elektronische Übergänge angeregt, was Rückschlüsse auf die molekulare Struktur  ermöglicht. Die Photometrie hingegen misst gezielt die Absorption von Licht einer Probe bei einer einzelnen – monochromatischen – Wellenlänge, um quantitative Angaben, also die Konzentration des gesuchten Analyten in der Probe zu bestimmen, wie in dieser Arbeit beschrieben. Die optimale Wellenlänge für photometrische Bestimmungen, entspricht der Wellenlänge des Absorptionsmaximums im UV/VIS-Spektrum. Hohe Absorption heisst hohe Empfindlichkeit. Ein Beispiel für ein UV/VIS-Spektrum von Olivenölen gibt es im BLJ zur Photometrie

Die Photometrie ist die (monochromatische) Variante der UV/VIS-Spektroskopie und eignet sich, wie in dieser Arbeit beschrieben,  ideal für die Quantifizierung. Gemessen wird der Extinktionswert einer Lösung. Licht einer bestimmten Wellenlänge im UV- bzw. sichtbaren VIS-Bereich wird beim Durchgang durch eine Probe absorbiert, also aufgenommen und abgeschwächt. Das Photometer misst was an Licht durch die Probe geht und vergleicht es mit der Intensität des eingestrahlten Lichts. Die Extinktion E, ein Mass dafür, wie viel Licht von der Probe aufgenommen wird, ist proportional zur Konzentration c der Lösung und zur Schichtdicke d der Lösung. Die Extinktion ist abhängig von der Wellenlänge 𝜆 des eingestrahlten Lichts, da die Probe je nach Wellenlänge unterschiedlich viel Licht absorbiert, abhängig von der molekularen und physikalischen Zusammensetzung der Probe. Diese wellenlängenabhängige Absorption wird durch die wellenlängenabhängige Stoffgrösse des spektralen Absorptionskoeffizienten 𝜀 beschrieben.
Diese Zusammnhänge beschreibt das Lambert-Beer'sche Gesetz:

𝐸(𝜆) = 𝜀(𝜆) ⋅ 𝑐 ⋅ 𝑑

Wenn du mehr über die Photometrie oder andere spektroskopische Analysenmethoden erfahren möchtest, empfehle ich dir die folgenden Berzelius-Laborjournale (BLJ):


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Lichtquelle

Die Lichtquelle sendet Licht auf das Prisma

Prisma

Das einfallende Licht wird vom Prisma gebrochen und die verschiedenen Frequenzen werden nacheinander ausgestrahlt.
Die Frequenz bei der die Probe am meisten Licht absorbiert, wird zur Messung der Proben ausgewählt. 

Küvette

Das Licht der ausgewählten Wellenlänge mit der Intensität I0 wird dann durch die Küvette mit der zu bestimmenden farbigen Lösung gesendet. Dieser Strahl wird durch Absorption geschwächt und hat, wenn er auf den Detektor trifft, eine neue Intensität I.
Der Quotient aus durchgelassenem Licht und eingefallenem Licht wird als Transmission T bezeichnet. Aus ihm lässt sich der Extinktionswert E einer Lösung berechnen. 

Detektor

Der durch Absorption geschwächte Lichtstrahl trifft nun auf den Detektor, welcher nun automatisch die jeweiligen Extinktionswerte berechnet.

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Mit dem Röntgenfluoreszenzspektrometer werden Proben unkompliziert und zerstörungsfrei auf ihre qualitative (welche Elemente sind in der Probe) und quantitative (wie viel von jedem  Element ist in der Probe) Zusammensetzung hin analysiert. Die Probe wird mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Dadurch werden Elektronen aus den inneren Schalen (inklusive K-Schale) der Atome herausgeschlagen. Das nennt man Ionisation. Die Röntgenstrahlung gehört daher auch  zu den ionisierenden Strahlungen.

Die elektronische Struktur der Atome ist jetzt instabil und Elektronen höherer Schalen fallen unter Aussendung einer für das Element charakteristischen Strahlung in die entstandenen Lücken. Keine Angst, das läuft sehr schnell ab und die Atome sind anschliessend wieder im Grundzustand und strahlen nicht.

Aus der emittierten Strahlung eines Elementgemisches kann mit entsprechender Kalibrierung sowohl die Elementzusammensetzung als auch (mit Einschränkungen) die Mengenverteilung bestimmt werden.

Mehr zur RFA erfährst du im Berzelius-Laborjournal (BLJ): RÖNTGENFLUORESZENZSPEKTROSKOPIE und die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen
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Titan(IV)-oxid galt bislang als ungefährlich und wurde erst am 15. September 2022 in der EU und der Schweiz in  Lebensmitteln verboten.

Der Grund dafür ist die Unsicherheit, ob und in welchem Ausmaß die orale, inhalative oder dermale (über die Haut) Aufnahme gesundheitsschädlich ist.
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Forschungen auf dem Gebiet der Nanotechnologie zeigen, dass gesundheitliche Risiken von Nanopartikeln aus Titan(IV)-oxid am ehesten durch inhalative Aufnahme, z. B. durch Sprayen, zu erwarten sind. Experten sind besorgt, dass die Nanopartikel Entzündungen in der tieferen Lunge auslösen können oder von dort zu anderen Organen gelangen. Der Ausschuss für Risikobewertung (RAC) der ECHA kam im Juni 2017 zum Ergebnis, dass Titandioxid bei inhalativer Aufnahme als krebsverdächtig einzustufen ist. Hingegen wurde das Risiko durch die dermale Aufnahme als gering eingeschätzt. Dies gilt für gesunde Haut. Ob dies auch für geschädigte Haut zutrifft, ist bis heute unklar.
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Die Diskussion, ob die orale Aufnahme von Titan(IV)-oxid schädliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, wurde durch Studien wie die folgende befeuert:

Studie zu Titan(IV)-oxid im Experiment mit Ratten 

Die endgültigen Beweise, ob die orale Aufnahme von Titan(IV)-oxid  Darmentzündungen verstärkt oder nicht, stehen noch aus. Auch ist die Übertragung der Studienergebnisse auf den Menschen nicht ohne Weiteres möglich. Das erinnert mich an die Diskussion, ob Rauchen die Gesundheit gefährdet. Die Tabakindustrie hat es geschafft, den Nachweis der Schädlichkeit jahrzehntelang zu hinterfragen und hinauszuzögern. Ich hoffe, dass sich dies im Fall des Titandioxids in Körperpflegeprodukten nicht wiederholt.
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Wir sind verleitet zu glauben, dass weisse Zahnpasten für weissere Zähne verantwortlich seien. Weit gefehlt. Eine Scheinweisheit, im wahrsten Sinne des Wortes. In Zahnpasta dient Titan(IV)-oxid nicht etwa dem Zweck, Zähne weisser zu machen, sondern ist lediglich Farbstoff bzw. optischer Aufheller für das Erscheinungsbild der Zahnpasta zu verbessern. Reine Verschönerung, um das Produkt besser zu verkaufen!
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Titan(IV)-oxid, der weisse kristalline Feststoff, wird aus Ilmenit gewonnen, einem relativ häufig in der Natur vorkommenden Mineral. Durch das in Ilmenit enthaltene Eisen weist das Mineral zunächst störende Verfärbungen auf.

Ilmenit muss aus diesem Grund zuerst im Sulfat- oder Chloridverfahren zum weissen Endprodukt raffiniert werden.
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Titandioxid wurde 1791 von dem englischen Geistlichen und Mineralogen William Gregor (1761–1871) entdeckt. Er fand das Mineral Ilmenit in einem Flussbett nahe Cornwall im Südwesten Englands und erkannte, dass das Mineral ein neues, bisher unbekanntes Element enthielt, das erst später als Titan identifiziert wurde. Er nannte das enthaltene Metall zunächst «Menachanite» nach dem Namen des kleinen Dorfes Menachan, heute Manaccan, in der Nähe des Flussbetts. 

Einige Jahre später gab der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth diesem Element den Namen Titan, nach den Titanen der griechischen Mythologie. Hier mehr zu Titan in 60 Sekunden.

Martin Heinrich Klaproth (1743–1817) isolierte bei der Titanentdeckung auch das Titan(IV)-oxid, ohne näher auf diese Verbindung einzugehen. Sein Ziehsohn Heinrich Rose (1795–1864), gleichzeitig auch Schüler unseres Projektnamensgebers Jöns Jacob Berzelius (1779–1848), widmete sich der Chemie des Titans und isolierte Titan(IV)-oxid. 

1908 begann die industrielle Produktion von Titan(IV)-oxid für Pigmente in Norwegen und den USA. Ein Jahr später wurde es unter der Bezeichnung Kronos-Titanweiss erstmals vermarktet.

Heute ist Titan(IV)-oxid als Farbstoff weit verbreitet. Es ist preiswert, thermisch stabil und hat aufgrund der hohen Lichtreflexion die höchste Deckkraft aller Weisspigmente. Auch macht es als Zusatzstoff Farben kräftiger. Unter dem Namen Titanium Dioxide, E 171 oder CI 77891 wird Titan(IV)-oxid auch in Kosmetika, Körperpflegeprodukten (Zahnpasta und Sonnencremes), Medikamenten und Textilien eingesetzt. Wie bereits erwähnt, war Titandioxid bis 2022 in der Schweiz und der EU noch Bestandteil in Lebensmitteln.
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