Einführung
Auf der Suche nach einem Maturaarbeitsthema ...
ISSN: 2571-5860TITAN(IV)-OXID IN ZAHNPASTA – ein Vergleich zweier AnalysenmethodenMultimediale Berzelius-Maturaarbeit, 4.01, 03/2025
betreut von Heidrun Schüssler,
angefertigt an der Kantonsschule Reussbühl mit multimedialem Tuning von Dr. Martin Novotny
Hier zur Maturaarbeit: Titan(IV)-oxid in Zahnpasta – ein Vergleich zweier Analysemethoden
Vorwort
Die erste von mir eingesetzte Methode ist die Photometrie. Das wasserunlösliche und weisse TiO₂ muss ich zuerst mit Kaliumhydrogensufat chemisch aufschliessen und wasserlöslich machen. Die anschliessende Zugabe von Wasserstoffperoxid bildet einen gelborangen Peroxokomplex, dessen Farbintensität mit dem ursprünglichen TiO₂-Gehalt korreliert. Ich kann mit Proben bekannter TiO₂-Gehalte eine Kalibriergerade erstellen und damit über den Extinktionswert einer unbekannten Probe den TiO₂-Gehalt errechnen.
Viel einfacher geht die Bestimmung mit der zweiten von mir gewählten Methode, der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA). Ohne die Notwendigkeit der Probenvorbereitung erhalte ich auf Knopfdruck innerhalb von 60 Sekunden den Titangehalt der Probe. Wegen einer aus Zeitgründen nicht durchführbaren Kalibrierung auf meine Probenzusammensetzung sind die quantitativen Werte allerdings fragwürdig und durchgehend höher als jene aus meiner photometrischen Bestimmungsmethode. Qualitativ gibt es allerdings eine sehr gute Übereinstimmung. TiO₂ ist tatsächlich nur in Zahnpasten enthalten, auf deren Packung es auch deklariert ist.
Inhaltsverzeichnis

HAUPTKAPITEL ⇓ & EXKURSE ⇒
Verbot von Titandioxid in Lebensmitteln
Kein Verbot in Zahnpasta

Ist das vor allem in Zahnpasta nicht fragwürdig? Zahnpasta wird mehrmals täglich in den Mund genommen und von Kindern gerne mal hinuntergeschluckt.
Welche gesundheitlichen Risiken birgt dieser Stoff, wo kommt er vor und wann wurde er von wem entdeckt? Mehr zu Titan und Titandioxid erfährst du in den folgenden beiden Nebenerzählsträngen.
Messungen
Titan(IV)-oxid-Gehalt in ZahnpastaZwei Messmethoden im Vergleich
Probenauswahl
Ob diese Angaben tatsächlich stimmen und wie viel Titan(IV)-oxid die einzelnen Pasten enthalten, gilt es nun zu ermitteln.
Wenn dich der Text stört und du das Foto genauer betrachten möchtest, gehe einfach rechts oben auf das Menüsymbol und dann auf «Text ausblenden» gleich über dem Lautstärkeregler.
PhotometrieLeichter gesagt als getan ...... ich stosse auf Schwierigkeiten: Erstens
Damit ich Titanionen photometrisch nachweisen kann, muss ich Titan(IV)-oxid zuerst aufschliessen. Mit Hilfe eines Aufschlussmittels führe ich es also zuerst in eine wasserlösliche Verbindung über.
Bei Titan(IV)-oxid (TiO₂) in fester Form (s für solid) übernimmt Kaliumhydrogensulfat (KHSO₄) die Rolle des Aufschlussmittels (aq bedeutet in der folgenden Reaktionsgleichung: in wässriger Lösung):
TiO₂ (s) + 2 KHSO₄ (s) → TiO(SO)₄ (aq) + K₂SO₄ (aq) + H₂O
Nachdem alles Wasser durch Wärmezufuhr verdampft ist, liegen die beiden Komponenten TiO(SO)₄ und K₂SO₄ als fester und wasserlöslicher Schmelzkuchen vor.
In einem zweiten Schritt gebe ich Wasserstoffperoxidlösung (H₂O₂) zu. Titanionen bilden mit Wasserstoffperoxidlösung einen Peroxokomplex, der gelborange gefärbt ist.
TiO(SO)₄ (aq) + H₂O₂ (aq) → [Ti(O₂)]² ⁺ (aq) + SO₄² ⁻ (aq) + H₂O (l)
Diese gelborange Färbung bildet sich nur bei Anwesenheit von Titan(IV)-Ionen: Je dunkler sich der Aufschluss einer Zahnpasta verfärbte, umso mehr Titan(IV)-oxid enthält dieser.
PhotometrieLeichter gesagt als getan...... ich stosse auf Schwierigkeiten: Zweitens
Was ich nun brauche ist eine Stammlösung mit der ich eine Verdünnungsreihe mit verschiedenen und bekannten Titan(IV)-oxid Konzentrationen herstellen kann. Damit kann ich eine Kalibriergerade errechnen mit der sich die Extinktionswerte in Titan(IV)-oxidgehalte umrechnen lassen.
In meiner originalen Maturaarbeit habe ich diese Kalibriergerade fälschlicherweise als Eichgerade bezeichnet. Eichen darf natürlich nur eine Behörde wie das Eichamt. Kalibrieren darf aber jeder und sollte auch jeder vor einer Messung machen. Wer mehr über Messgenauigkeit, Messfehler oder eben übers Kalibrieren erfahren möchte, der begebe sich auf eine erhellende Reise durch folgendes Berzelius-Laborjournal:
RÖNTGENFLUORESZENZSPEKTROSKOPIE und die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen
PhotometrieStammlösung
Nach Abkühlen dieser Schmelze gebe ich 5 ml einer 2 molaren Schwefelsäure (H₂SO₄) zu und koche das Ganze nochmals über der Bunsenbrennerflamme kurz (die flüchtigen Stoffe verdampfen sehr schnell) auf. Damit sollte die Reaktion (TiO₂ + 2 KHSO₄ → TiO(SO)₄ + K₂SO₄ + H₂O) vollständig ablaufen.
Den entstandene Schmelzkuchen kratze ich aus dem Tiegel, löse diesen in 40 ml destilliertem Wasser in einem Becherglas und filtere die Lösung ab. TiO(SO)₄ löst sich sehr gut und sehr schnell in Wasser. Die übrigen Stoffe wie K₂SO₄ lösen sich weniger gut und bleiben fast vollständig im Filter zurück. Vermutlich bleibt auch ein wenig gelöstes TiO(SO)₄ im Filterpapier, ich gehe aber davon aus, dass die Menge vernachlässigbar klein ist. Die erhaltene klare Lösung verdünne ich mit destilliertem Wasser auf 50 ml – fertig ist meine Stammlösung mit 0.1 g bzw. 100 mg Titan(IV)-oxid der Ausgangsprobe in 50 ml Lösung.
PhotometrieVerdünnungsreihe
Da die Titan(IV)-oxid Mengen in den untersuchten Zahnpasten geringer als erwartet sind, muss ich später noch zusätzlich Lösungen mit 7.5 mg und 2.5 mg TiO₂ (der Ausgangsprobe) in 50 ml herstellen.
Die je 10 ml farblosen Referenzlösungen versetze ich mit einem ml einer 33 %igen Wasserstoffperoxidlösung. Dadurch entsteht der oben erwähnte Peroxokomplex und die TiO₂-konzentrationsabhängige Einfärbung.
(bzw. 0.1 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 0.5% TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 0.25 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 0.75 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 1.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 2.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 5.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
(bzw. 10 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
1 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.1 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.5% TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
2.5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.25 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
7.5 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 0.75 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
10 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 1.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
20 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 2.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Verdünnung
50 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 5.0 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Stammlösung
100 mg TiO₂ pro 50 ml
(bzw. 10 % TiO₂ in der Ausgangsprobe)
Referenzgerade
Das Diagramm im Hintergrund zeigt die gemessenen Extinktionswerte als Funktion des TiO₂-Gehaltes im relevanten Bereich bis 10 mg TiO₂ in 100 mg Ausgangsprobe. Das ist meine Referenz- oder Kalibriergerade mit der ich die TiO₂-Gehalte unbekannter Proben bestimmen kann. Mit der eingezeichneten Geraden bzw. der Geradengleichung kann ich aus dem Extinktionswert einer unbekannten Probe den TiO₂-Gehalt ablesen bzw. berechnen. Wie ich diese Gerade errechnet habe, erfährst du auf der nächsten Seite.
Physikalisch gesehen ist diese Gerade nicht ganz korrekt, denn sie müsste durch den Nullpunkt gehen. Kein Titandioxid, keine Verfärbung. Ausser die zugesetzte Wasserstoffperoxidlösung würde das Licht absorbieren, was ich leider nicht gemessen habe. Laut meiner Kurve müsste die Wasserstoffperoxidlösung aber Licht abstrahlen, der Extinktionswert ist bei Konzentration null negativ (-0.098) und das ist sehr fragwürdig. Entweder sind meine Messergebnisse zu ungenau oder die Kurve ist keine Gerade und flacht gegen null hin ab.
So ist das in der Wissenschaft und ganz speziell bei Maturaarbeiten. Es werden und dürfen Fehler gemacht werden. Eine kritische Wissenschaftlerin steht dazu und korrigiert sich! Das ist es, was Wissenschaften auszeichnet und von vielen anderen Vorgehensweisen unterscheidet: Wissenschaftlerinnen werden aus Fehlern klüger!
Nun aber zurück zu dieser Referenzgeraden. Wie berechnet man die und welches Konzept liegt ihr zugrunde?
PhotometrieAufschluss der Zahnpasten
10 ml der so erhaltenen klaren Lösungen versetze ich wieder mit je einem ml der 33 %-igen Wasserstoffperoxidlösung, um die gelborange Farbe des Peroxokomplexes zu erhalten. Die Farbe dieser Lösung verrät mir den Titandioxidgehalt der jeweils getesteten Zahnpasta.
MessungPhotometrie
Mit Hilfe der Referenz- oder Kalibriergerade kann ich die jeweiligen Titan(IV)-oxidgehalte berechnen. Dazu muss ich die mathematische Beschreibung der Kalibriergeraden nach x, dem unbekannten TiO₂-Gehalt, auflösen. x wird so als Funktion des gemessenen einheitenlose Extinktionswerts ausgedrückt.
x = (E + 0.098) / 0.158
x ist die unbekannte Menge an TiO₂ in den Zahnpasta-Kaliumhydrogensulfat-Gemischen. Auf die Einheiten der beiden Konstanten der Geradengleichung habe ich der Einfachheit halber verzichtet.
Anmerkung: Nachdem ich anfänglich je 1 g (1000 mg) Zahnpasta mit 9 g Kaliumhydrogensulfat vermengt habe sind x/10 die Massenprozent (m-%) an TiO₂ in der Zahnpasta. Erhältst du beispielsweise für x = 0.1 mg sind das 0.1 mg / 1000 mg = 0.01 % TiO₂ in der Zahnpasta.
E = 1.134 => x = 7.797 mg bzw. 0.7797 m-% TiO₂
White Optic
Kids Bubble Gum (Candida)
Junior
E = 0.00 => x = 0.00 mg bzw.0 m-% TiO₂
E = 0.144 => x = 1.532 mg bzw. 0.1532 m-% TiO₂
E = 0.461 => x = 3.538 mg bzw. 0.3538 m-% TiO₂
E = 1.642 => x = 11.013 mg bzw. 1.1013 m-% TiO₂
E = 0.191 => x = 1.829 mg bzw. 0.1829 m-% TiO₂
E = 0.019 => x = 0.741 mg bzw. 0.0741 m-% TiO₂
(sehr kleine Menge evtl, vernachlässigbar, da im Bereich des Messfehlers)
Kids Bubble Gum (Dentamed)
E = 1.134 => x = 7.797 mg bzw. 0.7797 m-%
TiO₂
Zahnfleischschutz &
frischer Atem
White Optic
Kids Bubble Gum (Candida)
Junior
E = 0.00 => x = 0.00 mg
bzw.0 m-%
TiO₂
Micro Granuli
E = 0.144 => x = 1.532 mg
bzw. 0.1532 m-%
TiO₂
White Diamond
E = 0.461 => x = 3.538 mg
bzw. 0.3538 m-%
TiO₂
Opti-schmelz
E = 1.642 => x = 11.013 mg
bzw. 1.1013 m-%
TiO₂
Multicare 7 in 1
E = 0.191 => x = 1.829 mg
bzw. 0.1829 m-%
TiO₂
Total
E = 0.019 => x = 0.741 mg
bzw. 0.0741 m-%
TiO₂
(sehr kleine Menge evtl, vernachlässigbar, da im Bereich des Messfehlers)
Röntgenfluoreszenzspektroskopiekurz RFA
Es braucht für dies Untersuchungsmethode aber keine Probenvorbereitung. Die Ergebnisse erscheinen auf Knopfdruck und eine Messung dauert gerade einmal 60 Sekunden. Der Countdown läuft im Hintergrund.
MessungRöntgenfluoreszenzspektroskopie
Eine RFA kann theoretisch ab Ordnungszahl 11 (Natrium) qualitativ und quantitativ Probeninhalte bestimmen. Dieses verwendete, relativ einfache Handgerät misst aber erst ab höheren Ordnungszahlen. Titan mit Ordnungszahl 22 misst es zuverlässig. In einer organischen Probe gibt es viele Elemente, die mit der RFA nicht detektiert werden können (H, C, O, N) und es muss daher auf den spezifischen Probentyp kalibriert werden, was in Form der Modi hinterlegt ist. Eine eigene Kalibrierung des Gerätes auf meine Bedürfnisse ist nicht ohne weiters möglich und so muss ich mit den Ergebnissen im Modus Bodenproben vorlieb nehmen.
Etwa ein Zentimeter lange Zahnpastaproben drücke ich auf ein Filterpapier und vermesse sie anschliessend. Die detektierten Elemente der Probe gibt das Gerät in ppm (parts per million) aus.
AuswertungRöntgenfluoreszenzspektroskopie
Unter der Annahme, dass Titan nur als Titan(IV)-oxid in den Zahnpasten enthalten ist und nicht in anderen möglichen Verbindungen, gehe ich wie folgt vor:
1 g Ti⁴⁺ (bzw. Ti) ≙ 47.87 g/mol
1 g TiO₂ = (47.87 + 2 × 15.999) g/mol ≙ 79.87 g/mol
Ti⁴⁺ macht in TiO₂ also einen Massenanteil von rund 60 % aus (47.87 g/mol / 79.87 g/mol = 0.599). Die mit der RFA gemessene Menge an Ti muss ich also durch 0.6 dividieren, um den Gehalt an TiO₂ in den Zahnpasten abzuschätzen. 1 ppm Ti entspricht 0.0001% Ti (1 / 1'000'000 ⋅ 100). Bei dieser Berechnung setze ich voraus, dass die Angabe ppm ,wie üblich, auch bei diesem RFA-Gerät den Massenanteil und nicht die Teilchenanzahl (mol-%) angibt.
Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die ...Resultate
Messergebnisse und Diskussion
Einzig bei Total Original (von Colgate) werden mit der Photometrie geringe Mengen an Titandioxid nachgewiesen, obwohl davon nichts auf der Liste der Inhaltststoffe vermerkt ist. Mit der RFA-Messung kann ich aber kein Titan nachweisen. Der photometrisch gemessene Extinktionswert dieser Zahnpastaprobe ist sehr klein, sodass ich von einem Messfehler ausgehen muss (z. B. durch eine Verunreinigung).
Abgesehen davon zeigen sich beide Messmethoden gut geeignet, um Titandioxid in Zahnpasten qualitativ nachzuweisen.
Nun zur quantitativen Analyse meiner Messergebnisse. Die Resultate aus Photometrie und RFA weichen manchmal deutlich voneinander ab – um bis zu mehr als das doppelte. Das liegt unter anderem an den kleinen Mengen gepaart mit der Messungenauigkeit. Zahncremes enthalten laut Hersteller üblicherweise maximal ein Prozent Titandioxid.
Die RFA-Methode misst bei allen Zahnpasten (mit Ausnahme bei Micro Granuli von Signal) einen höheren Titandioxidgehalt, als mit der Photometrie. Trotzdem ist die Tendenz, ob also mehr oder weniger enthalten ist, der beiden Messmethoden ähnlich. Ich vermute, dass die RFA-Messungen im Modus Bodenproben nicht optimal für meinen Anwendungsfall sind. Eine Kalibrierung der RFA mit Referenzzahnpasten würde vermutlich genauere Ergebnisse liefern. Trotz allem liefert die RFA Ergebnisse auf ein ppm genau an, was völliger Unsinn ist. Im Berzelius-Laborjournal der Röntgenfluoreszenzspektroskopie wird eine aufschlussreiche Geschichte über Mess(un)genauigkeit und signifikanten Stellen von Messen- und Rechenergebnissen erzählt.
Die Hersteller geben die eingesetzte Menge an Titandioxid leider durchgehend nicht an. Aus diesem Grund möchte ich hier auf den hohen Titandioxidgehalt der Kids Bubble Gum (von Dentamed), ein Produkt für Kinder, hinweisen. Es hat den zweithöchst gemessenen Titandioxidgehalt. Kinder schlucken gerne die Zahnpasta, manchmal auch unbenutzt von der Tube in den Rachen, des guten Geschmackes wegen. Titandioxid wurde wie anfangs erwähnt wegen gesundheitlicher Risiken in Lebensmittel bereits verboten.
Du möchtest die Ergebnisse nochmals in aller Ruhe betrachten? Gehe rechts oben ins Menü, dort kannst du den darüber liegenden Text ausblenden.
ZusammenfassungPhotometrie versus RFAWas eignet sich nun besser, um TiO₂ in Zahnpasta nachzuweisen?
Aber die RFA kann nicht ohne weiteres auf diesen Anwendungsfall kalibriert werden. Das funktioniert bei der Photometrie hervorragend. Darum werden die quantitativen Messwerte aus den photometrischen Versuchen aussagekräftiger sein als die der RFA. Ich habe durch Umwandeln, Lösen und Einfärben von TiO₂ einen Weg gefunden, den TiO₂-Gehalt sichtbar und damit messbar zu machen.
Gastbeitrag des Editors zu ...... Methodenvergleichen ...... mit Anregungen für weitere Maturaarbeiten
Die perfekte Methode gibt es selten. Je nach zu analysierender Titanverbindung, Art und Menge der Proben (Probenmatrix) und zu erwartenden Probenkonzentrationen sind die für die Fragestellung geeigneten Hightech-Geräte auszuwählen. Hier hilft die Recherche, denn viele Methoden sind bereits bis ins Detail ausgearbeitet und in wissenschaftlichen Publikationen detailliert beschrieben. Sind die Fragestellungen komplexer, müssen die Methoden meist modifiziert oder komplett neu entwickelt werden.
Für die Bestimmung von Titandioxid in Zahnpasta oder anderen Matrices gilt: Es gibt leistungsstärkere RFAs als das hier eingesetzte Berzelius-Gerät, die zuverlässig bis in den unteren ppm-Bereich messen. Auch könnten wir die RFA-Methode auf dem eingesetzten Berzelius-Gerät sicherlich noch verbessern, z. B. durch umfangreicheres Testen und Validieren der auf dem Gerät vorgegebenen Messmodi. Bei der photometrischen Bestimmung hätten wir anders als in dieser Arbeit eine Kalibriergerade auf Basis von titanfreier Zahnpasta als Trägermaterial erstellen und mit bekannten Mengen Titandioxid versetzen können. Das wäre eine realistischere Kalibrierung, weil sie der Zahnpastamatrix der Proben besser entspräche. Auch hätten wir die Zahnpastaproben mit der im Lieferumfang des Berzelius-RFA-Geräts vorhandenen Probenpresse zu Presslingen komprimieren können, wie dies bei der RFA-Analyse von Bodenproben aus Gründen der Homogenität empfohlen wird. Das sind nur einige Ideen und Varianten, die sich für die Methodenentwicklung dieser Arbeit anbieten. Wie meinte der deutsche Wissenschaftler und Dichter Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) so treffend?: «So eine Arbeit ist nie fertig, Man muss sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das möglichste getan hat.» Wie wahr!
Nicht zuletzt bietet das Berzelius-Projekt noch einige andere Hightech-Instrumente zum Bestimmen von Titandioxid.
- Titration von Titan mit Kaliumdichromat und einer Platin-Elektrode mit unserem automatischen Titrino. Vor der Bestimmung muss Titandioxid, wie bereits in dieser Maturaarbeit beschrieben in Lösung gebracht werden, wie z. B. durch Reduktion von Ti⁴⁺ zu Ti³⁺.
- UV/VIS-spektrometrische Bestimmung mit dem UV/VIS-Detektor, den wir bei der HPLC einsetzen
- Raman-spektroskopische Untersuchung von Titan in Kristallen
- Voltammetrischer Nachweis mit dem Galvanostaten/Potentiostaten nach vorherigem Aufschluss mit Schwefelsäure und Wasserstoffperoxid
Impressum
Originalarbeit: Titan(IV)-oxid in Zahnpasta
Lara Schweizer unter der Betreuung von Heidrun Schüssler, Kantonsschule Reussbühl, SJ 2022-2023
Editor-in-Chief und Projektleiter: Dr. Alfred Steinbach
Berzelius-Editorial-Team in alphabetischer Reihenfolge:
Dr. Adrian Brugger, Dr. Claudia Buser Moser, Marianne Leuenberger, Dr. Martin Novotny, Dr. Alfred Steinbach, Dominik Tschirky, Patrick Massen (Medienwerkstatt.PHSG).
UV/VIS-Spektroskopie und Photometrie
Die Photometrie ist die (monochromatische) Variante der UV/VIS-Spektroskopie und eignet sich, wie in dieser Arbeit beschrieben, ideal für die Quantifizierung. Gemessen wird der Extinktionswert einer Lösung. Licht einer bestimmten Wellenlänge im UV- bzw. sichtbaren VIS-Bereich wird beim Durchgang durch eine Probe absorbiert, also aufgenommen und abgeschwächt. Das Photometer misst was an Licht durch die Probe geht und vergleicht es mit der Intensität des eingestrahlten Lichts. Die Extinktion E, ein Mass dafür, wie viel Licht von der Probe aufgenommen wird, ist proportional zur Konzentration c der Lösung und zur Schichtdicke d der Lösung. Die Extinktion ist abhängig von der Wellenlänge 𝜆 des eingestrahlten Lichts, da die Probe je nach Wellenlänge unterschiedlich viel Licht absorbiert, abhängig von der molekularen und physikalischen Zusammensetzung der Probe. Diese wellenlängenabhängige Absorption wird durch die wellenlängenabhängige Stoffgrösse des spektralen Absorptionskoeffizienten 𝜀 beschrieben.
Diese Zusammnhänge beschreibt das Lambert-Beer'sche Gesetz:
𝐸(𝜆) = 𝜀(𝜆) ⋅ 𝑐 ⋅ 𝑑
Wenn du mehr über die Photometrie oder andere spektroskopische Analysenmethoden erfahren möchtest, empfehle ich dir die folgenden Berzelius-Laborjournale (BLJ):
- PHOTOSPEKTROMETRIE – subjektiver Anschein versus objektive Messmethode
- SCHWINGUNGSSPEKTROSKOPIE – Fingerabdruck der Moleküle, Teil 1: Infrarot-Spektroskopie
- SCHWINGUNGSSPEKTROSKOPIE – Fingerabdruck der Moleküle, Teil 2: Raman-Spektroskopie
Die Frequenz bei der die Probe am meisten Licht absorbiert, wird zur Messung der Proben ausgewählt.
Der Quotient aus durchgelassenem Licht und eingefallenem Licht wird als Transmission T bezeichnet. Aus ihm lässt sich der Extinktionswert E einer Lösung berechnen.
Lichtquelle
Die Lichtquelle sendet Licht auf das Prisma
Prisma
Das einfallende Licht wird vom Prisma gebrochen und die verschiedenen Frequenzen werden nacheinander ausgestrahlt.
Die Frequenz bei der die Probe am meisten Licht absorbiert, wird zur Messung der Proben ausgewählt.
Küvette
Das Licht der ausgewählten Wellenlänge mit der Intensität I0 wird dann
durch die Küvette mit der zu bestimmenden farbigen Lösung gesendet. Dieser Strahl
wird durch Absorption geschwächt und hat, wenn er auf den Detektor trifft, eine neue
Intensität I.
Der Quotient aus durchgelassenem Licht und eingefallenem Licht wird als Transmission T bezeichnet. Aus ihm lässt sich der Extinktionswert E einer Lösung berechnen.
Detektor
Der durch Absorption geschwächte Lichtstrahl trifft nun auf den Detektor, welcher nun automatisch die jeweiligen Extinktionswerte berechnet.
Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA)
Die elektronische Struktur der Atome ist jetzt instabil und Elektronen höherer Schalen fallen unter Aussendung einer für das Element charakteristischen Strahlung in die entstandenen Lücken. Keine Angst, das läuft sehr schnell ab und die Atome sind anschliessend wieder im Grundzustand und strahlen nicht.
Aus der emittierten Strahlung eines Elementgemisches kann mit entsprechender Kalibrierung sowohl die Elementzusammensetzung als auch (mit Einschränkungen) die Mengenverteilung bestimmt werden.
Mehr zur RFA erfährst du im Berzelius-Laborjournal (BLJ): RÖNTGENFLUORESZENZSPEKTROSKOPIE und die Reproduzierbarkeit von Messergebnissen
Titan(IV)-oxid: Krebserregend?
Der Grund dafür ist die Unsicherheit, ob und in welchem Ausmaß die orale, inhalative oder dermale (über die Haut) Aufnahme gesundheitsschädlich ist.
Inhalative vs. dermale Aufnahme
Orale Aufnahme
Studie zu Titan(IV)-oxid im Experiment mit Ratten
Die endgültigen Beweise, ob die orale Aufnahme von Titan(IV)-oxid Darmentzündungen verstärkt oder nicht, stehen noch aus. Auch ist die Übertragung der Studienergebnisse auf den Menschen nicht ohne Weiteres möglich. Das erinnert mich an die Diskussion, ob Rauchen die Gesundheit gefährdet. Die Tabakindustrie hat es geschafft, den Nachweis der Schädlichkeit jahrzehntelang zu hinterfragen und hinauszuzögern. Ich hoffe, dass sich dies im Fall des Titandioxids in Körperpflegeprodukten nicht wiederholt.
Ein kleiner Side Fact
Herstellung von Titan(IVI)-oxid ausIlmenit
Ilmenit muss aus diesem Grund zuerst im Sulfat- oder Chloridverfahren zum weissen Endprodukt raffiniert werden.
Entdeckung von Titan und TitandioxidGeschichte
Einige Jahre später gab der deutsche Chemiker Martin Heinrich Klaproth diesem Element den Namen Titan, nach den Titanen der griechischen Mythologie. Hier mehr zu Titan in 60 Sekunden.
Martin Heinrich Klaproth (1743–1817) isolierte bei der Titanentdeckung auch das Titan(IV)-oxid, ohne näher auf diese Verbindung einzugehen. Sein Ziehsohn Heinrich Rose (1795–1864), gleichzeitig auch Schüler unseres Projektnamensgebers Jöns Jacob Berzelius (1779–1848), widmete sich der Chemie des Titans und isolierte Titan(IV)-oxid.
1908 begann die industrielle Produktion von Titan(IV)-oxid für Pigmente in Norwegen und den USA. Ein Jahr später wurde es unter der Bezeichnung Kronos-Titanweiss erstmals vermarktet.
Heute ist Titan(IV)-oxid als Farbstoff weit verbreitet. Es ist preiswert, thermisch stabil und hat aufgrund der hohen Lichtreflexion die höchste Deckkraft aller Weisspigmente. Auch macht es als Zusatzstoff Farben kräftiger. Unter dem Namen Titanium Dioxide, E 171 oder CI 77891 wird Titan(IV)-oxid auch in Kosmetika, Körperpflegeprodukten (Zahnpasta und Sonnencremes), Medikamenten und Textilien eingesetzt. Wie bereits erwähnt, war Titandioxid bis 2022 in der Schweiz und der EU noch Bestandteil in Lebensmitteln.